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Mythos Grüne Hölle: Die Nordschleife

Der Nürburgring besteht aus zwei Rennstrecken: Der 1927 als "Erste Gebirgs- Renn- und Prüfstrecke" eröffneten Nordschleife und der 1984 eingeweihten Grand-Prix-Strecke. Nimmt man diese beiden Strecken, die auch als Kombination gefahren werden können zusammen, ist der Nürburgring mit rund 26 Kilometern die längste permanente Rennstrecke der Welt. Insgesamt 40 Linkskurven, 50 Rechtskurven und 300 Meter Höhenunterschied mit extremen Steigungen und Gefällen sorgen dabei für einen ordentlichen Adrenalinkick bei Fahrern und Zuschauern.

Seit ihrer Erbauung (1925 - 1927) genießt die Nordschleife den Ruf als furchteinflößende und unbarmherzige Strecke durch die Eifelwälder. Ein englischer Journalist, der die Nordschleife beim Eröffnungsrennen am 18. Juni 1927 besichtigte, kam gar zu dem Schluss, "dass man wohl einen torkelnden Riesen im Vollrausch losgeschickt hat, um die Strecke festzulegen". Der Formel-1-Pilot Sir John Young Jackie Stewart - immerhin drei mal Weltmeister in den Jahren 1969, 1971 und 1973 - war von der Strecke sogar derart beeindruckt, dass er ihr den Namen verpasste, den sie wohl nie mehr loswerden wird: Grüne Hölle.

Heute ist die bekannteste Veranstaltung das ADAC Zürich 24-Rennen, welches auf der Kombination aus Nordschleife und Grand-Prix-Strecke ausgetragen wird und den gesamten Kurs über drei Tage in ein riesiges Spektakel verwandelt. Bis zu 800 Amateure und Profis nehmen an diesem Rennen mit über 200 Autos teil.

Streckenlänge: 20,8 Kilometer (33 Linkskurven, 40 Rechtskurven)
Varianten: in Kombination mit der Grand-Prix-Strecke
Populärste Events: BFGoodrich Langstrecken Meisterschaft (VLN), ADAC-24h-Rennen,
AvD Oldtimer-Grand-Prix, ADAC Eifelrennen

1927 - Rudolf Caracciola gewann am 19. Juni 1927 das erste Autorennen auf der neu gebauten Rennstrecke.
1960 - Jackie Stewart gab dem Ring unabsichtlich seinen gängigen Namen, als er ihn die "Grüne Hölle" nannte.
1975 - Niki Lauda fährt die 28,8km (1951-1976) mit Ferrari in 6:58,60 min. (Qualifikation)
1975 - Clay Regazzoni fährt die 28,8km Strecke mit Ferrari in 7:06,40 min. (Rennen)
1976 - Der Feuer-Unfall Niki Laudas besiegelte das Aus für die Formel 1 auf der Nordschleife
1983 - Christian Danner fährt mit BMW 832 F2 im Rennen 6:28,03 min. - Rekord!
1983 - Stefan Bellof brennt auf Porsche 956C mit 6:11,13 die absolut schnellste je gefahrene Rundenzeit in den Asphalt.
1927 bis Heute - Die Geschichte der Nordschleife

Niemand geringeres als Rudolf Caracciola gewann am 19. Juni 1927 in dem Kompressor-Mercedes das erste Autorennen auf der neu gebauten Rennstrecke. Dies war der Anfang einer ganz besonderen Beziehung zwischen den Piloten und den ursprünglich 172 Kurven, die auf so harmlose Namen wie Aremberg, Fuchsröhre oder Kesselchen hören. "Schwer zu fahren, leicht zu sterben" urteilte Weltmeister Jochen Rindt über die unvergleichliche Herausforderung, und Rennsportlegende Jackie Stewart gab dem Ring unabsichtlich seinen gängigen Namen, als er ihn die "Grüne Hölle" nannte.

Nahezu jede Rennsportlegende ist unweigerlich mit dem alten, 22,8 km langen Nürburgring verbunden. Von Caracciola über Juan Manuel Fangio und Graf Berghe von Trips bis Jim Clarke und Niki Lauda - alle haben in der Bestzeitenjagd auf der Nordschleife Geschichte geschrieben und zur großen Mythenbildung beigetragen. Allen voran Stefan Bellof, der 1983 auf Porsche 956C mit 6:11,13 die absolut schnellste je gefahrene Rundenzeit in den Asphalt brannte.

Der Mythos war also längst geboren und gewachsen, doch in den 70er Jahren ging die Schere zwischen den immer schneller werdenden Boliden und den unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen der Nordschleife immer weiter auseinander. Schon 1970 waren umfangreiche Umbaumaßnahmen notwendig, um die Formel 1 weiterhin zum Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring zu bringen. Doch spätestens mit dem Feuer-Unfall Niki Laudas 1976 war das Ende der Grünen Hölle als Grand Prix-Rennstrecke besiegelt. Danach folgten schwierige Jahre, in denen die Zukunft des Rennsportmekkas in der Eifel alles andere als gesichert war. Doch das Land Rheinland-Pfalz stellte sich mit Hilfe des ADAC hinter den Nürburgring und ermöglichte, dass eine moderne, völlig neue Grand-Prix-Strecke geplant, gebaut und 1984 eröffnet werden konnte. Die Zukunft des gesamten Nürburgrings war damit gesichert.

Die Grüne Hölle konnte sich auch ohne Grand-Prix-Sport als weltweit wichtigste Teststrecke der Automobilindustrie und darüber hinaus als beliebtes Ausflugziel für Touristenfahrten etablieren. Zusammenführungen der Nordschleife und der Grand-Prix-Strecke wie beim populären ADAC 24h-Rennen machen den Nürburgring wohl zur renommiertesten und vor allem emotionalsten Rennstrecke weltweit.
Nürburgring Schlüsselstellen mit Unterstützung der Motorsport Akademie Nürburgring

Hatzenbach/Hocheichen: Die aufeinanderfolgenden Kurven erfordern eine genaue Linienwahl. Die letzte Linkskurve bietet besonders im Regen kaum Grip, erkennbar an der ständig erneuerten Leitplanke.

Flugplatz/Schwedenkreuz: Schnellster Strecken-abschnitt mit vielen Kuppen und Senken. Wer hier nicht genau die Linie kennt, riskiert heftige Abflüge.

Fuchsröhre: Bekannter, schneller Abschnitt mit einer Senke, die den Fahrer fest in den Sitz presst. Aber Achtung: Hinter der Kuppe lauert der Adenauer Forst, eine sehr enge 2. Gang-Schikane.

Wehrseifen: Sehr schnelle Bergab-Kombination, an deren Ende die langsamste Kurve des Rings wartet. Selbst Rennbremsen bekommen hier Fading, deshalb Reserven beim Anbremsen einbauen.

Ex-Mühle: Tiefster Punkt der Strecke mitten durch Adenaus Einkaufszentrum. Viel Schwung den Berg hinauf mitnehmen, aber Vorsicht: Fehlende Auslaufzonen bestrafen den kleinsten Fehler unerbittlich.

Bergwerk: Eine wichtige Schlüsselstelle: Wer hier zu langsam ist, verliert auf dem folgenden schnellen Bergaufstück jede Menge Zeit. Deshalb spät einlenken und früh rausbeschleunigen, aber Vorsicht bei Nässe!

Carraciola-Karussell: Populärer Abschnitt mit einer Steilkurve aus Betonplatten. Wer hier zu früh rausbeschleunigt, wird durch die harte Kante sofort ausgehebelt und dreht sich unter dem Johlen der Fans.

Hohe Acht/Wippermann: Höchster Punkt der Strecke, in der folgenden Bergpassage bauen auch langsame Fahrzeuge viel Speed auf!

 
Eschbach/Brünnchen: Hunderte von Fans warten auf einen Fehler von Dir, deshalb nicht ablenken lassen! Besonders die Ausgangsrechts hat es in sich: Wenig Grip und eine zuziehende Kurve sind schon manchem Fahrer zum Verhängnis geworden.

Pflanzgarten: Legendäre Sprunghügel, deshalb langsam an hohe Geschwindigkeiten herantasten und die Kuppen gerade überfahren.

Schwalbenschwanz: Auch aus der zweiten Steilkurve nie zu früh raus, da sonst das Heck sehr leicht wird.

Galgenkopf: Eine weitere Schlüsselstelle für eine gute Rundenzeit: Wer hier zu langsam ist, verschenkt viel Speed auf der folgenden Gerade.

Die Strecke im Einzelnen

0 km, Antoniusbuche: Hier stand früher eine riesige Buche, an deren Fuß sich ein dem heiligen Antonius geweihter Altar befunden haben soll. Die Buche stand links neben der Rennstrecke und fiel 1935 zugunsten der neuen B-258.

1km, Tiergarten: Ehemaliger Begräbnisplatz für die im Kampf umgekommenen Tiere.

2 - 3 km, Hatzenbach: Der gleichnamige Bach verläuft hier neben der Strecke.

3 km, Hocheichen: Während der Bauzeit standen hier mächtige Eichenwälder, die teilweise abgeholzt wurden mussten.

3 - 4 km, Quiddelbacher-Höhe: Anhöhe nahe der Ortschaft Quiddelbach.

4 km, Flugplatz: Ehemaliges Segelfluggelände, welches sich links neben der Rennstrecke befand.

5 km, Schwedenkreuz: Altes Wegkreuz aus dem Jahr 1638. Der Begriff stammt aus der Zeit der Schwedenkriege. Das Kreuz neben der Strecke erinnert an den Mord eines Steuereinnehmers.

5 - 6 km, Aremberg: Gleichnamiger Berg und gleichnamige Ortschaft liegen in der Nähe.

6 km, Fuchsröhre: Hier gerieten die Bauarbeiten der Nordschleife ins Stocken. Ein Fuchs hatte sich in einer der Kanalisationsröhren verkrochen.

7 km, Adenauer Forst: Waldgebiet der Gemeinde Adenau

7 - 8 km, Metzgesfeld: Im Grundbuch eingetragene Flurbezeichnung. Ursprung und Bedeutung sind ungeklärt.

8 km, Kallenhard: Dieser Hard verdankt seinen Namen dem in der Nähe fließenden Kallenbach.

8 - 9 km, Wehrseifen: Seifen ist der keltische Begriff für Tal. Der Wehrseifen stellte eine Art Grenze zwischen den Herrschern von Adenau und denen von Breidscheid dar. Früher stand hier sogar ein Grenzstein.

9 km, Ex-Mühle: Ist der Wasserlauf einer ehemaligen Mühle. Ursprünglich wollten die Erbauer der Rennstrecke an diesem Punkt die Start- und Zielanlage errichten. Der Besitzer der Mühle weigerte sich aber, die notwendigen Grundstücke zur Verfügung zu stellen. Früher wurde die Kurve nach dem 1928 hier tödlich verunglückten Victor Junek häufig auch als "Junek-Kurve" bezeichnet.

11 km, Bergwerk: Bis ca. 1900 war hier ein Blei- und Silberbergwerk in Betrieb, welches geschlossen wurde, da es nicht mehr genug förderte.

12 km, Kesselchen: Die Bezeichnung entstand während der Bauarbeiten, da die Strecke hier durch einen Talkessel führte.

13 km, Klostertal: Ist der Abschnitt zwischen Kesselchen und Karussell. Im 14. Jahrhundert gab es hier einen Johanniter-Orden.

13 - 14 km, Carraciola-Karussell: Ein Steilwand-Kreisel als Bestandteil der Strecke, der 1932 betoniert wurde. Benannt wurde es nach dem berühmten Rennfahrer Rudolf Caracciola (1901-1959).

14 - 15 km, Hohe Acht: In der Nähe der Rennstrecke steht der gleichnamige Berg. Mit 746 Metern ist er der höchste Punkt der Eifel.

15 km Hedwigshöhe: Benannt nach dem Vornamen der Ehefrau von Landrat Dr. Creutz, dem geistigen Urvater des Nürburgrings.

15 km, Wippermann: Benannt nach dem Auf- und Abwippen in diesem Streckenabschnitt, besonders vor dessen Entschärfung.

15 - 16 km, Eschbach: Namensgeber sind ein gleichnamiger Bach und der Ort Herresbach-Eschbach.

16 km, Brünnchen: Ein Quellgebiet. Von hier aus führten um die Jahrhundertwende Bewässerungsleitungen in die Gemeinde Herschbroich.

17 km, Pflanzgarten: Hier befanden sich Gärten und Anbaufelder der Grafen von Nürburg.

18 km, Schwalbenschwanz: Die Bauarbeiter erfanden diesen Namen 1926. Aus der Vogelperspektive sieht dieser Abschnitt wie das Ende eines Schwalbenschwanzes aus.

18 - 19 km, Galgenkopf: Hier war die ehemalige Richtstätte der Grafen von Nürburg  und der Galgen an dem öffentliche Hinrichtungen vollzogen wurden.

 19 - 20 km, Döttinger Höhe: Benannt nach der nahen Ortschaft Döttingen.

Quelle: (www.gruene-hoelle.de)